Dieser Webmontag wollte gaaaaanz, dicke Bretter bohren. Mit einem der wichtigsten Themen unseres  (ok, die zwei, drei Lebemänner bzw. -frauen unter uns jetzt mal ausgenommen) Lebens: dem Arbeiten. Schließlich verbringen wir nicht nur sehr viel Zeit unseres aktiven Daseins mit der Verrichtung derselben, sondern hängen bei privater Restzeit- und Budgetplanung unmittelbar davon ab.

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Geladen war diesmal wieder zum Otto-Versand – pardon Otto eCommerce. Denn vor den Vorträgen hatte der liebe Gott – bzw. Rene und Kristin als Veranstalter – den Schweiß gesetzt. Und der kam in Form einer Key Note von der Otto Group. Leider war die wieder so, wie es viele Hosts des Webmontags es immer wieder machen (siehe auch meinen ersten Webmontag-Bericht vom Oktober 2010): Es wird die eigene Firma in höchsten Tönen gelobt. „Unsere Azubis finden das toll“.

Natürlich ist es schwer, vor einem Publikum, dass sich für die digitale Elite hält und von denen Otto gern einige als Entwickler begeistern würde, zu präsentieren. Doch das hätte deutlich besser funktioniert, wenn die beiden HR-Spezialistinen offener in das Thema eingestiegen wären. Zum Beispiel, wenn Sie aufgezeigt hätten, welche Veränderungen bei den Anforderungen der „Generation Y“ bisher aufgefallen sind und wie sie darauf reagieren, um dann zu fragen, welche Angebote jemanden im Publikum überzeugen würde, Kontakt aufzunehmen und wie die Zukunft aussehen könnte. So wurde erst auf der letzten Folie auf das eigentliche Thema eingegangen. Da waren aber viele Scheuklappen im Publikum schon zu. Das coole Chancenviertel blieb wohl unbesetzt.

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Im Anschluß gab es drei Parallelvorträge

  1. Christine Dingler – digitalSTROM „Vernetzung bedeutet Veränderung“ – Mit der Personal Branding Kampagne zum Traumjob
  2. Katja Silligmann – Steria Mummert Consulting GmbH Seinen Ideen Gehör verschaffen trotz Machtgerangel
  3. Winald Kasch – GOagile! Die Komfortzone ist tot, es lebe die Komfortzone!

 Ich hatte mich für @winald entschieden. Keine schlechte Wahl, wusste er doch sehr unterhaltend viele Wahrheiten über die gegenwärtige Struktur in Unternehmen und ihre Grenzen bei der Lösung der Aufgaben darzustellen.    

Ob wir unwillig arbeiten und geführt werden müssen (X) oder selbstverantwortlich und kreativ arbeiten wollen (Y) stand hier ebenso zur Debatte, wie die Anforderungen an künftige Unternehmenssysteme. Hier findet Ihr eine Wikipedia-Info zum Thema.

Die anderen beiden Beiträge waren praktischer ausgelegt: Christine Dingler zeigte ihren gezielten Selbstmarketing-Ansatz, der aber sicher schwieriger für Personen in festen Arbeitsverhältnissen ist. Denn sich offen als „suchend“ zu bekennen, kann als Zeichen innerer Kündigung gewertet werden und Konsequenzen nach sich ziehen.

Katja Silligmann wollte zeigen, wie man sich auch als sensibler Mensch gegen das Elbogen-Gefecht der Platzhirschen durchsetzen kann. Beide werde  ich mir als Video auf der Webmontags-Site anschauen. Ihr auch?

Podiumsdiskussion   

Als Finale startete die Podiumsdiskussion mit weiteren illustren Gästen. Neben den drei oben genannten kamen noch hinzu: Harald R. Fortmann (Cribb), Ion Linardatos (Straub & Linardatos), Katrin Arrubla (WunderCar), Xenia Meuser (XING) und Nicole Heinrich (OTTO). Die Moderation Benjamin „Curry“ Körner (Steerer Consulting).

Zunächst beschränkte sich dieser Mix weniger auf das vorgegebene Thema als auf das eigene Vorgehen beim Recruiting. Wie viele Kontakte, Freunde, Follower hat ein Kandidat bei Xing, Facebook, Twitter um interessant zu sein? Sind Party-Bilder schädlich oder eher die Erwartungen der Kandidaten? Auf Seiten des Publikums wurde mit dem Alter kokettiert („Ich bin der Jüngste hier“) um dann Blödsinn zu sappeln und zum Teil auch recht subjektive Statements abgesondert. Doch Rene fasste sich ein Herz und versuchte (insgesamt zweimal) wieder auf das Thema zurück zu kommen. Dabei zeigte sich auch, dass hier nicht nurdas könftige Arbeiten sondern eigentlich das gesamte Leben verhandelt wird.

Wie viel Flexibilität ist möglich? Zum Beispiel, wenn Xenia sich nachmittags um ihre Kinder kümmern kann, um dann gegen 20 Uhr den Rechner nochmal hochzufahren. Oder bei einem liebeskranken Programmierer, der zwar schon mal um vier Uhr morgens arbeitet, aber nach der Trennung seiner Freundin ohne Vorwarnung nach Amsterdam abhaut. Das begeistert den Arbeitgeber recht wenig, der statt auf seiner Finca in Spanien lieber beim Team sein würde. Letzteres sei „wenigstens transparent“ – pflichtete Winald ihm bei.

Mich hätte interessiert, wie die (Achtung: Polemik) Techies mit Sonnen- und Freundin-Allergie mit Eltern künftig in einem Team arbeiten wollen/können. Um 4 Uhr morgens sind die nämlich nur in der Stillphase einsatzbereit – und das nicht unbedingt freiwillig. Auch ein Arbeitszeitkonto (viele Stunden als junger Mensch, weniger in der „Familienphase“ o.ä.) stößt dann an seine Grenzen, wenn der Arbeitgeber gewechselt wird; Unternehmen mit vielen Müttern und Vätern hätte dann gegenüber anderen möglicherweise einen Nachteil. Wie soll das künftig sozial abgefedert werden?

Die Diskussion war trotzdem so anregend, dass bis gegen 22:30 Uhr immer noch sehr viele Teilnehmer in Bramfeld anwesend waren.

Als Zusammenfassung blieb:

 

 

Soundtrack zum Thema:

1) Bow Wow Wow (1981) W.O.R.K. (No My Daddy don’t)

2) The Smiths: Heaven Knows I’m miserable now

Auszug:

„I was happy in the haze of a drunken hour
But Heaven knows, I’m miserable now
I was looking for a job and then I found a job
And Heaven knows, I’m miserable now

In my life, why do I give valuable time
To people who don’t care if I live or die?“

 

PS: Ich möchte ein Ticket für die Code-Talks gewinnen’.