dialektik

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Auf seinem Blog „netzkombyse“ stellte Henning unter dem Titel „Showrooming: die Blendgranate des Handels.“ die These auf, dass die Kritik von stationären Händlern am Online-Shopping nicht fundiert sei. Im Gegenteil, durch das Internet würde der stationäre Handel mehr unterstützt als geschwächt. Hier meine Replik auf seinen Text.

Moin Henning. Ich glaube, Dein Ansatz greift zu kurz.

  1. Die Quelle
    Die Studie („Studien“ – wo ist die zweite?), die Du zitierst, wurde im Auftrag von ECE erstellt. Was machen die? Sie bauen und verwalten Einkaufszentren. Womit verdienen die ihr Geld? Mit Vermietung von Offline-Shops. Könnte es sein, dass sie an positiven Perspektiven für den stationären Handel interessiert sind?
  2. Das Beispiel
    Am Beispiel der genannten „Ernsting’s Family“ glaube ich Dir gern, dass das Online-Schaufensterbummeln zu Offline-Käufen führen kann: Diese Kunden probieren Klamotten nochmal an bevor sie sie kaufen. (Ist eben nicht das Publikum wie bei Zalando) Bei Büchern, Haushaltsgeräten, Reiseangeboten etc. ist das anders. Dem „Hersteller“ ist das letztendlich egal, wo er seine Waren verkauft – dem Händler nicht.
  3. Die Beratung
    Du sprichst von „Beratungsvielfalt“ im Internet -Ich kenne bisher eigentlich drei Arten:

    1. Kritiken von Konsumenten (also uns) in Foren, Verkaufsplattformen etc. – unbezahlt
    2. Advertorials, „Sonderveröffentlichungen“ anderer Branded Content (huhu „Native Advertising“ da hinten) über entsprechende Agenturen – bezahlt
    3. emotionale Lobeshymnen von sog. Bloggern – minimal vergütet: es gibt Produktgutscheine, neue Geräte leihweise oder – wenn’s hochkommt – Produkte für ein Preisausschreiben
    4. Kurz: Ist das Beratung?
  4. What makes The World go around
    Bei diesem Thema geht’s letztendlich um Geld vs. Leistung und da ist das Phänomen „Showrooming“ dann doch keine Chimäre. Wie gesagt,  Händlern die gleichzeitig Hersteller sind, ist letztendlich egal, wo das eigene Produkt gekauft wird (adidas, AEG – you name it). Für reine Händler eher nicht. Kann man sich „sehr schön“ (nicht wirklich) in Einkaufszentren anschauen, die nicht mehr zur neuesten Generation gehören. (Mal sehen, was später die Stadtplaner daraus machen – oder eben ECE – aber das ist ein anderes Thema)
  5. Sortiment
    Gerade durch das „Interweb“ habe ich viel mehr Auswahl. Diese Menge kann der Buchhändler, Plattenhändler etc. nicht vorrätig haben. Und: warten auf etwas ist meistens uncool (wird ja auch gern in die Twitter-Feeds gepostet). Hier wird der stationäre Handel deutlich geschwächt.
  6. Impulskauf
    Wer – wie ich – gern über den Flohmarkt schlendert, kann es sehen: Tausende Artikel werden angeboten, die eigentlich zum Zeitpunkt des Kaufes schon unnütz waren aber in dem Moment – am „point of sale“ – so verführerisch blinkten. Das fällt beim ROPO  weg, das Browsen/Bummeln findet eben online statt. Das ist allerdings eine tatsächlich positive Entwicklung für Umweltschutz und Nachhaltigkeit.
  7. Mehr Dialektik bitte
    Hier ging es mir weniger um die Tatsache, ob „Showrooming“ oder „ROPO“ überwiegt, was gesamtwirtschaftlich besser oder schlechter ist, ob die Entwicklung überhaupt aufzuhalten wäre und schon gar nicht um eine Belehrung (die mir nicht zusteht) sondern darum, dass ein bisschen kritische Distanz gerade gegenüber dem eigenen Wunschdenken mitunter sehr hilfreich ist, um letztendlich Erkenntnisgewinn bei sich selbst und möglicherweise dem Gegenüber auszulösen.