A-584864-1428354699-7253.jpeg

Text zur Uraufführung des Lichtspiels „Sieg der Vernunft“

Wer seit Jahren angewidert durch den Morast des einheimischen Kulturbetriebes watet, kurz davor ist, das eigenen Denkvermögen wegen externen Nichtbenutzenkönnens an der Garderobe abzugeben und die Marke einem zufälligen Passanten zu übergeben und jede Hoffnung an ein besseres Morgen zu verlieren glaubt, kann jetzt doch wieder ein Silberstreifchen am Horizont ausmachen.

Kein geringerer als Dr. Kurt Euler, Vorsitzender des ZK der Kommunistischen Einheitspartei Deutschlands (KED), versucht uns mit seiner strengen Mütterlichkeit uns allen die Disziplin beizubringen, die die Stunde schon seit Jahrzehnten gebietet. Als Mittel zum Zweck der Lehre, bedient er sich in seiner Funktion als zweiter Vorsitzender  der Parteikommission für Fragen des Kulturkampfes und der Volksbildung beim ZK der Kommunistischen Einheitspartei Deutschlands des  Lichtspiels „Sieg der Vernunft“, das am 2. Mai im Hamburger Lichtspielhaus mit dem wohlklingenden Namen „Metropolis“ uraufgeführt wurde.

„Der Gefolterte darf niemals das Mitleid mit dem Folterer vergessen“

Der Vorsitzender ließ es sich nicht nehmen – nach einigen kurzen Vorrednern – selbst in die Veranstaltung einzuführen. Musste er zunächst noch durch Helfer gestützt werden, um das Rednerpult zu erreichen, entbrannte sodann das Feuer, das wir seit jeher von ihm kennen. In deutlichen, nicht enden wollenden Sätzen, richtete er viele Worte an Genossen, Freunde aber auch Abweichler und Feinde. Von Sektierern und anderem Wurmgetier, die im Laufe der Veranstaltung versuchten, ihm das Wort zu entreissen und ungeduldigen kunstbeflissenen Hochkulturbürgern, ließ er sich von seiner Aufgabe nicht abbringen. Dabei hatte er bereits seine Rede im Vorfeld von sieben auf sechseinhalb Stunden gekürzt – nicht allerdings, um oberflächlichem Pop-Unterhaltungs-Erwartungen zu entsprechen.

filmstreifenAls sich schließlich der Vorhang hob und das Werk – mit seinen 154 Minuten Laufzeit schon stark gerafft – auf unseren Netzhäuten widerspiegelte, machte sich eine nahezu ehrfürchtige Still breit. Seit Ben Hur von William Wyler und vielleicht noch Fritz Langs „Metropolis“ gab es noch nie so etwas Überwältigendes auf der Leinwand zu bestaunen.

„Der wahrhaft Weise spricht zu seinen Jüngern nur die Worte: ‚Ich stinke heute'“

Mutig choreografierte Massenszenen wechseln sich mit Vorträgen, Naturabbildungen und tiefgründigen Parteistatements ab. Wer ein solch fast von Liebe überlaufendes Herz und nahezu unendliche Weitsicht besitzt, darf nicht schwach sein. Darum liegt es zwangsweise in dem Verlauf der Geschichte, dass die Wachsamkeit eines der höchsten Tugenden ist, denn „der Feind schläft auch nicht!“ So wird dann folgerichtig über die Vollkommenheit des Genickschusses nicht nur theoretisch schwabuliert sondern dies auch praktisch ausgeführt. Wir danken dem großen Vorsitzenden für 25 Jahre Kampf gegen Bartwuchs, Weltverdunkler, Narrenturm sowie Nasch- und Gaukelwerk.

mgDr. Kurt Euler, er lebe hoch!, hoch!, hoch.

Lesen Sie weitere Informationen:

Ditterich von Eurler-Donnersperg – US-amerikanisches Propagandaportal für digitales Mittelalter: Facebook
Allzeit gebügelt“ – neoliberales Kampfblatt „Der Spiegel“ 2/1995
Friedrich Gottlieb Klopstock – im Nachschlagewerk des digitalen Kleinbürgertums – Wikipedia