– Bonus Track 2014 –

Ich schätze SBTRKTs moderne Popsongs und Programmierung. Doch nach dem Konzert kann man auch fragen: Ist das noch toll oder ist es schon Rick Wakeman?

Als in den frühen 70ern die Bedeutung von Musikern noch mit der Anzahl der eingesetzten Keyboards auf der Bühne korrelierte, war das musikalische Ergebnis meist pathetisch,  eingebildet und asexuell. *). Das ist bei Aaron Jerome alias SBTRKT nicht der Fall.

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Ein von @soulstewmartin gepostetes Video am

Unterwegs ist der „Mann mit der Maske“ seit zehn Jahren . Sein Tonträger-Debüt von 2005 – noch unter eigenem Namen veröffentlicht – klingt dabei deutlich anders als die heutigen Sounds und Songs unter dem Namen SBTRKT. Das Debut „Man Troubles“ tuckert und stolpert gefällig vor sich hin:

Er macht keinen Hehl daraus aus dem Konglomerat aus Soul, Jazz, Breakbeats und Funk zu kommen. Für einen Sommer war das in England unter dem Titel „Acid Jazz“ der heiße Scheiß, bevor es in den nachgelagerten Pop-Kolonien weiter zelebriert und -verfeinert wurde.

Seine Mutter kommt aus Goa aber Aaron ist – gottseidank – in Cambridgeshire aufgewachsen, studierte Musik (Schlagzeug, Piano und Waldhorn) und lernte darüber den Musiker Nitin Sawhney kennen, bei dem ein Freund mitspielt. Das Ergebnis: der erste Soulblender-Remix – wie er die ersten elektronischen Versuche nannte.

Nach Remixen für Nicole Willis oder Pete Rodriguez war die Bearbeitung von Little Dragons „Twice“ das erste Ausrufezeichen des jungen Herrn. Da wummerten Subbass, zischten Hi-Hats und echoten die verfremdeten Keyboard-Klänge. Die symphonischen Sounds erinnerten an UK Garage-Don MJ Cole, der ebenfalls eine klassische Musikausbildung vorweisen kann.

 

Im Uebel und Gefährlich nun der Meister live. Das Vor- bietet auch gleich ein Gegen-Programm mit Sängerin Denai Moore, die mehr im akustischen Folk und Jazz beheimatet ist. Das Publikum bleibt ebenfalls gelassen.

Beim Hauptakt ist es dann ähnlich wie bei anderen elektronischen Projekten. Jerome ist in der Mitte platziert, zwischen allerlei Tasteninstrumenten hin- und herlaufend. Hier ein Klick, dort ein eine Tremolo auf einer Taste um – wahlweise – Geschwindigkeit, Lautstärke oder Anschlagsdynamik zu ändern. Dabei wird – zusammen mit den beiden Gehilfen – simuliert, dass alle drei auch singen würden. Das stimmt natürlich nicht. Das kommt alles von Band, Hard-Disk oder aus der Cloud.

Ein paar Versionen klingen live anders, teilweise wie eine 12″-Maxi, und erzeugen ordentlich „Druck“. Das Publikum lässt sich von den Beats bewegen und zollt schließlich auch Denai Tribut, die als einzige „echte“ Stimme bei ihrem Beitrag zum jüngsten SBTRKT-Album „Wonder Where We Land“ namens „The Light“ auftritt.

Das Konzert war rundum unterhaltend aber es darf die Frage gestellt werden, wie lange die Mischung aus Playback, Background-Grafik und Klicken und Tastendrücken noch als Konzert funktioniert. Und manchmal konnte man schon den Eindruck bekommen, dass hier auch der Gerätepark stolz vorgeführt wird – und da ist der schreckliche Tastenmann aus längst vergangenen Zeiten eben doch nicht mehr so weit.

*) Die Ehrfurcht vor solcher Gigantonomie wurde vor Jahrzehnten kurz und knapp von meiner Mutter gekappt: Die von mir begeistert zitierte Meldung: „Der XY spielt auf 5 Keyboards gleichzeitig!“ wurde gekontert mit: „Wie, der hat doch auch nur zwei Hände“.