„x Marks The Spot“

Eine Replik auf „Ein Brief an Joko & Klaas: Antwortet mit Liebe! Das wäre mutig!“ Mit Liebe antworten – echt jetzt?
Nein, ich bin kein großer Fan von  Joko & Klaas – die Mischung aus Jackass, lustigen Interviews und neuerer Bands als beim „Großen Preis“ (RIP) äh „Wetten dass“ (RIP) äh… na, ihr wisst schon – ist häufig recht vorhersehbar und durchsichtig. Kurz. Dafür bin ich (meistens) zu alt. Doch selbst wenn sie nicht die Ersten waren, die sich für Flüchtlinge und gegen Nazis ausgesprochen haben, fand ich das gut. Eben auch, weil sie Zuschauer ansprechen, die von den üblichen Promis nicht erreicht werden: „Entfolgt uns bei Twitter, entfreundet uns bei Facebook, überzieht uns mit einem Shitstorm. Denn eins wollen Joko und Klaas auf keinen Fall: den Applaus von Menschen, die auch klatschen, wenn ein Flüchtlingsboot mit 800 Menschen im Meer versinkt.

Nun tritt also die Dozentin für Persönlichkeitsentwicklung und Menschenkenntnis, Mira Christine Mühlenhof, auf den Plan und verkündet pastoral: „Antwortet mit Liebe! Das wäre mutig“.

Nachdem die Unterkunft verkohlt ist, biete ich den Brandstiftern Nächstenliebe an?

Die Ursachen für rechte Gewalt seien „Sicherheit und Kampf“, genährt von Angst – und daher nicht dumm. Nun, Sicherheit würde selbst die Vertreibung aller Flüchtlinge nicht bringen, Angst vor Veränderung und davor, klein gemacht zu werden, wird von den Flüchtlingen nun offensichtlich auch nicht verursacht und auch für Unsicherheit sind Menschen aus Syrien, Afrika etc. nicht verantwortlich. Also: doch dumm und einfach. Sonst könnten sie sich fragen, wer verantwortlich ist für fehlende Perspektiven, fehlendes Geld, fehlendes Glück – und vielleicht auch ein bisschen Selbstreflexion üben. Mich dünkt, die Liebe, nach der sie schreien (© Mira Christine Mühlenhof) ist nicht das, was die sonstige Welt darunter versteht.

Etwas verstörend sind auch die Blogbeiträge, die zustimmende Autoren unter den o.g. Beitrag als Kommentar verlinkt haben. Da wird getitelt: „Nazis und Ossis zu beschimpfen ist kein Beitrag gegen Rassismus“ – wer wirft hier eigentlich wen in denselben Topf? Und „Louiseshorty“ verlinkt J&K im folgenden Satz unter „weiße Weste“: „Sind es nicht jene, die nach Frieden flehen, aus denen manch weiße Weste den Nährboden für den Hass gegen das eigene Volk stampft?“  (Hervorhebung durch mich)

Was Joko & Klaas erreichen, ist, dass junge Leute, die sich noch nicht auf die dunkle Seite der Macht geschlagen haben, deutlich gezeigt bekommen, was für eine menschenverachtende Haltung die „Menschen mit einer rechtsextremen Gesinnung“ haben. Und auch, dass sie auf der Welt nicht allein sind in ihrer Ablehnung, wenn „coole“ Kids aus der Klasse in dem Zusammenhang Witze über „Badeunfälle“ machen.

Um diese Zuschauer geht es. Und für die sollten wir tatsächlich viel Liebe haben, damit sie mutig sein können.