FKA – fit, kann was, anziehend. Also genau die Art von Künstler/in, die potentiell noch ein bisschen als nächste Sau durch den Ort der Aufmerksamkeit getrieben wird. Nun war sie das erste Mal in Hamburg, an einem Montag Abend, im Mojo.

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(Leider stellt das iphone nicht mehr richtig scharf)

Erwartungen – Enttäuschungen?

In den Wochen zuvor konnte man den Eindruck erhalten, dieser Hype sei schon wieder vorbei. Zu wenig stand in der deutschen Presse und die zwei, drei Beiträge auf Spex.de sind heute längst kein Garant dafür, dass das Konzert gefüllt sein wird oder überhaupt stattfindet. Immerhin schien der Tourauftritt in Berlin ausverkauft – die Gefahr einer Absage also verringert. Am Abend selbst war dann kurz vor dem Auftritt der Mojo Club so angereichert mit vielen jungen Damen, einigen Hipstern und Spinnern wie yours truly, dass es für Künstlerin, Club, Veranstalter und Publikum gleichermaßen recht angenehm war: voll, aber mit Bewegungsfreiheit.

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Ist die Prog-Rock-Live-Show zurück?

Zum Start erst einmal Nebel. Sollte hier  die Programmplanung durcheinander gekommen sein? Etwa: EMI präsentiert das neue Pink Floyd-Album in einer Listening-Session für 27 Euro Abendkasse? Nein, es war wohl das fehlerhafte Keyboard, das für Überstunden bei der Nebelmaschine sorgte. Endlich kamen die ersten Beats vom Band. Als Overtüre ein Rap mit männlicher Stimme bevor die Hauptperson und ihre 3 Mitstreiter auf die Bühne kamen. Letztere verteilten sich auf ihre Instrumente. Das waren hauptstächlich elektronische Pads und Drums über die der Großtreil der Live-Instrumentierung getriggert wurde. Ein paar Sounds kamen aber auch vom Band. Aber wir sind hier nicht bei einem ewiggestrigen, handgemachten Konzert.

Zu der Meisterin selbst. Ohne „Hallo Bielefeld“* wurde das Mikro geschnappt und nicht mehr losgelassen. Die Beschreibung von „Mischung aus Bjork und Kate Bush“ war schwer auszumachen. Sie sang, trillerte zwischen Kopf- und Bruststimme und füllte gleichzeitig die Bühne aus. Nicht immer waren die einzelnen Songs unterscheidbar. Neben dem Fast-Hit „Two Weeks“ und „Papi Pacify“ (von der zweiten EP) konnte ich wenig sofort erkennen.

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Danke Marc!

Aber das greift vielleicht auch zu kurz. Denn Tahliah Barnett ist keine Sängerin-Schauspielerin wie die aktuelle – oft US-amerikanische – Ausgabe von Popstars – von Beyonce bis Rihanna. Dafür ist die Musik dann doch zu elektronisch, zu sperrig zu ….. erotisch. Denn auch ohne Textkenntnisse oder Sekundärliteratur ist klar, dass es hier um Körperlichkeit geht. Die Rhythmen der einzelnen getriggerten Instrumente spielen mit- aber nie gegeneinander und erzeugen so einen fast sämigen, Downtempo-Sound, der zusammen mit ihrem Gesang explizite erotische Signale sendet. Das schwule Pärchen neben mir hat das augenscheinlich auch deutlich gespürt.

Und: wer FKA Twigs vornehmlich als Musikprojekt einordnet, denkt zu eng. Wie das just am selben Datum wie das Hamburg-Konzert veröffentlichte Video beweist, ist Tanz fast ebenso wichtig. Und so windet  sie sich auf der Bühne des Mojo Club eben auch wie eine Schlangenbeschwörerin durch ihre Songs. Den ersten Teil des Abends wirkte sie recht unnahbar, mit ernster Mimik, wie eine Schamanin, die einen versteckten/verdrängten dunklen Teil des lustvollen Lebens uns abgeklärten, zurückhaltenden Städtern einflössen will.

Doch keine Eisprinzessin

Doch dann auf einmal ein Lächeln, eine Ansage, eine relativ langes „Danke“ für unser Kommen und mehr als ein Hauch Schüchternheit auf der Bühne. Da wird aus der Schamanin fast eine (Tanz-)Schülerin. Doch der Sound bleibt anders als neuen anderen Chanteusen wie Banks oder Lana Del Rey.

Und das recht junge und recht weibliche Publikum scheint das zu goutieren. Jeder Song wird euphorisch beklatscht und bei den „Hits“ wird auch mitgesungen. FKA trifft hier ein Nerv – fernab von Talent-Show und Pop-Akademie. Wie gut sie wirklich ist, wird das nächste Album zeigen. Denn wird sich zeigen, ob sich FKA Twigs dem konventionellen Song annähern und dabei die visuellen Grenzen ausweiten wird – oder andersherum. Eine domestizierte Nachtigall wird sie eher nicht.

 

FKA Twigs – Papi Pacify from CHERISE PAYNE on Vimeo.

*) soll heißen: Keine stereotype Begrüßung, der sonst oft bemüht wird, um gleich den Lokalpatriotismus zu ernten.