Hallo Deutsche Bahn,

wir müssen reden. So geht es nicht weiter. Von meinen 7-9 Bahnfahrten im letzten Jahr hatten 6 Verspätung und/oder Zugausfall. Kann ja mal vorkommen – aber nicht in der Frequenz.

Aktueller Fall

Es begab sich am 3. März des Jahres 2015 mit einem glücklichen Start. Die Deutsche Bahn wollte das neue, verstärkte IRE-Zug-Angebot nach Berlin bewerben. Dafür bewilligte seine Hoheit gar 1200 Freitickets für Hin- und Rückfahrt mit Begleitung. Yippee – ein Ticket bekam ich. Also in den Frühjahrsferien mit der Tochter früh in die Hauptstadt und Spätnachmittags zurück – so der Plan.

In meiner unglaublichen Naivität hatte ich keinen Plan B. Den konnte es auch nicht geben, denn das Ticket war tages- und zuggebunden; der IRE fährt um 6:58 Uhr hin und um 16:55 zurück. Wie gesagt – „nach Plan“. Also früh die Hühner gesattelt, der Wecker klingt um 5:45 Uhr – fertig machen, Tochter wecken, Frühstück einpacken und ab zum Hauptbahnhof.

 

S-Bahn pünktlich, Croissant für die Zugfahrt gekauft und ab zum Bahnsteig: Erste Überraschung auf Gleis 8: Der Zug hat 45 Minuten Verzögerung – grr! IMG_7908.JPG Wir wird man den Ärger los? Tweet an die Deutsche Bahn. Und – gut erzogen sind sie ja – sie antworteten prompt:  

In der Zwischenzeit hatte die Verzögerung den Stand von 60 Minuten erreicht. Also nach dem Kaffee noch schnell eine Zeitung holen. Kurzer Blick auf die Anzeigentafel: immer noch 25 Minuten Zeit. Also etwas geschlendert und schließlich ein Magazin eingepackt. Dauer: 10 Minuten. Zurück Richtung Bahngleis mit dem mittlerweile eingeübten Blick auf die Anzeige…. Doch da gab es eine Überraschung: Der Zug wurde nicht mehr gelistet. 

Also ab zur Information: „Der Zug ist jetzt gefahren“.  Wie bitte? Unglaubliches Staunen auf meinem Antlitz. Wir treffen zwei Männer und später eine Familie, die ebenfalls mit diesem Zug Berlin entgegeneilen wollten – und dafür 60 Minuten auf Gleis 8 ausharrten. Nur: der Zug fuhr dann von Gleis 14.

Ergebnis: Früh aufgestanden, Zug verpasst, Gutschein wertlos = Tag in den Sand gesetzt.

IMG_7915.JPGJetzt meine Verschwörungstheorie

Könnte es sein, dass an Schlüsselpositionen der Deutschen Bahn (Einkauf, Materialbeschaffung, Planung) Personen sitzen, die aus eigennützigem Interesse dem Klischee „Öffentliche Unternehmen arbeiten nicht effizient“ oder gar einer Privatisierung Vorschub leisten? Auch wenn das Beispiel England zeigt, dass das für uns Kunden bestimmt nicht besser wäre. Krautreporter, übernehmen Sie!

Nachtrag: Fortsetzung A + B

A: Am Donnerstag – also übermorgen – bin ich noch verwegener als heute: ein internationaler 6-Tagestrip mit dem Zug. Ob wir je lebendig ankommen werden?
B: Und wenn das klappt, versuche ich den Berlin-Trip in der nächsten Woche nochmal. Die Auskunft dazu am Schalter: „Sie müssen in Vorleistung treten und das über die Fahrgastrechte zurück holen.“ Ich werde berichten. 

Wieder da – zwei Stunden später (nicht mein Auto).

wiederda22