Das Bo live in Hamburg – ein Auftritt in zwei Akten

Das Bo hat Rap für uns. (©2017 www.stefanmanzow.com)

Das ist er nun wieder, der selbsternannte Gentleman-Rapper. Zusammen mit der Begleitband „Plus 4“ und Sänger/Rapper/Beatboxer Louis, der an diesem Abend noch eine bedeutende Rolle spielen sollte, will er zeigen, dass er doch zur ersten Liga des nationalen Hip Hop gehört. Tatsächlich: Ohne Rückgriff auf Songs aus der Tobi und Bo- oder Fünf Sterne Deluxe-Zeit, hat er doch eine Menge Tracks im Gepäck, die man kennt: „Seid Ihr Bereit für Das Bo“ oder „Ich hab Rap für Dich“ haben zwar auch schon mehr als zehn Jahre auf dem Buckel, funktionieren live allerdings auf einmal (doch) recht gut. Auch die Band weiß genau, wie sie die Tracks mit G-Funk und Old-School-Hip Hop Riffs würzen müssen, um das Publikum anzutreiben. Und die sind ganz aus dem Häuschen (eh – Hauptzelt).  

Ohne Frage, unterhalten kann dieser Kerl. Sein Schmunzeln trägt er nicht nur im Gesicht, sondern auch in den Texten. Wie sein Auftritt bei den „Online Marketing Rockstars“ beweist, kann er seinen Blödsinn recht intelligent anpreisen. 

So unkritisch, wie es Torch ihm für 20 Jahren vorgeworfen hat, ist er natürlich auch nicht (mehr). So fallen kurze Zeilen gegen den G20 Gipfel und die Konsequenzen für Hamburgs Stadtleben. Sein Vorschlag: „Lasst uns die Polizei einkesseln, damit die auch mal weiß, wie das ist“, findet dann auch großen Beifall.

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Live vs. Studio

Doch eigentlich ist er ein Slacker – und der Riesenhit hängt wie ein Mühlstein um seinen Hals. Viele der nachfolgenden Raps waren einfach zu ähnlich in Inhalt und Flow. Songs wie „Schmeckt“, „Dumm aber Schlau“ oder „Ohne Bo“ sind zu kommerziell, zu sehr auf „Hit“ gepolt, und wurden das genau darum eben auch nicht. Denn sein Publikum erreicht er damit nicht  – und die anderen bleiben bei Bohlen oder Helene Fischer (oder Bürger Lars Dietrich). Auch die eher halbgaren Auftragsarbeiten – ob für die Agentur für Arbeit oder Jägermeister (passt ja auch gut zusammen), mit Alex Christiansen, als Factor X-Juror oder beim Bundesvision Song Contest – stehen ihm nicht wirklich gut. Alleine scheint Das Bo musikalisch zumindest im Studio etwas orientierungslos. Das Bo live in Hamburg ist allerdings recht knorke. Und: Fünf Sterne Deluxe kommen ja bald zurück.

Der zweite Akt

Das Bo hat Eis für uns (©2017 www.stefanmanzow.com)

Nach dem Konzert wurden wir von DJ Placebo hinaus begleitet. Doch ein cooles Reggae/Hip Hop-Set hält das Publikum länger als geplant im Vorzelt. Und dann passiert es: Direkt über dem DJ-Equipment stürzt ein Wasserfall aus dem Zeltdach. Musik aus, Panik in den Gesichtern und Platzregen außerhalb des Zeltes.

Jetzt zeigt sich, was hier wirklich geht. Louis freestylt, singt und hält 15 Minuten die Stimmung bis die Anlage wieder funktioniert. Beim zweiten Stromausfall setzt Das Bo noch einen drauf:Zusammen mit dem Sänger wird gerappt, geschnackt und Eis verteilt. 

Louis rockt das Haus – ohne Strom

Das Publikum tobt und weiß: die können was, die sind echt. Genau das macht den Auftritt besonders. Das Bo trägt noch sehr viel Hip Hop in sich. Und das wollen wir auch sehen und hören. Er braucht keine kurzlebigen Chart-Hits, er braucht keine Hooklines von schlechten Oldies. Er ist ein Original, der mit den richtigen Produzenten/DJs/Bands zeigen kann, was er wirklich drauf hat.

Und dann sind wir natürlich bereit für Das Bo.

 

Ein Blick zurück
Mein erstes Mal Bo live zu erleben, konnte ich vor 20 Jahren bei Container Records in Bramfeld. Dort verbrachte ich meine Mittagspausen, um bei Boris Ekambi und Mario Cullmann in Vinyl zu investieren. Zur Tür herein kam Andre – Chef der Plattenfirma YoMama – mit einem jungen, energiegeladenen jungen Herren. Der zappelte dann zu Discoklängen herum – gekleidet in Jeans-Anzug mit Kangol-Hütchen (if i remember correctly). Seitdem ist einiges passiert: Mit dem selbsterklärenden Debüt „Genie Und Wahnsinn Liegen Dicht Beieinander“ fügten Tobi und Das Bo dem deutschen Hip Hop eine sprachlich begeisternde Facette hinzu.

Don’t forget the support Act

The Lytics aus Kanada (©2017 www.stefanmanzow.com)

Zum Abend haben natürlich auch The Lytics aus Kanada beigetragen. Ihr Boom Bap-Hip Hop mit starken House of Pain-Anklängen war ordentlich – obwohl mir ein bisschen die eigenständig gefehlt hat. Aber Teile des Publikums kannten die Texte – kann also nicht so schlecht gewesen sein ;-). 

Fotos: ©2017 www.stefanmanzow.com