(Part 1/2)
Der zweite Tag begann wie der erste – nur das Mikrophon war ausgeschaltet. Also doch erstmal frühstücken statt Selbstdarstellungen („Ich habe noch eine dritte Session und wollte jetzt kurz nochmal meine Frau auf die Bühne holen“) zu lauschen, um dann auf der Pinnwand die passenden Session auszuwählen.

Content Marketing vs. Schleichwerbung

Rechtsanwältin Nina Diercks gab zwar zu, bisher nichts zu dem Thema zu wissen, aber „aufgrund der großen Nachfrage“….. Der Titel war provokant gewählt und der Raum quoll auch über, nur: schon die Definition von „Content Marketing“ blieb recht schwammig.

Ging es hier um  Marketing über (guten) Content (Definiton Wikipedia) oder um die Vermarktung des (gekauften) Contents (Advertorials)?

Bei Letzterem ist die Grenze zur Schleichwerbung deutlicher fließender als bei Ersterem. Während Wikipedia feststellt: „Seine Ziele erreicht das Content Marketing, indem es den Inhaltsproduzenten als ExpertenBerater und Entertainer profiliert, der Kompetenzen, Know-how und Wertversprechen durch den Inhalt demonstriert, statt sie nur zu behaupten„, hatte ich den Eindruck, hier wollten sich potentielle Gefälligkeitsblogger („sehet her, ich habe das neue XYZ zum Test bekommen und es ist natürlich toll – also kauft es ganz oft“) nur rechtlich absichern, um härter am Wind segeln zu können.

 

Fünf Wege zum Suizid

Ein weiterer Vortrag mit medizinischem Hintergrund, Nils – von Beruf Krankenpfleger und verbandelt mit @Urolinchen, die mit den Autoerotischen Unfällen „mein“ barcamp eröffnete – mischte persönliche Erfahrungen mit wissenschaftlichen Befunden.

Seine Top 5 waren:

  1. Vor die Gleise
  2. von hohen Gebäuden
  3. Als Geisterfahrer
  4. mit Medikamenten
  5. Pulsadern öffnen

Was Nils auf den ersten Blick recht unterhaltsam vortrug, hatte einen ernsten Hintergrund. Zum Beispiel ergab eine Studie in England: Wenn weniger Werbung für Tempolimits in Wohnstraßen platziert wird,  führt das zu steigenden Organspenden. Oder:

Mit der weiteren Standardisierung und „Steigerung der Eiffizienz“ im Gesundheitswesen erwartet Nils auch eine entsprechende an Suizidversuchen.

Das war eine nahezu perfekte Session, die sarkastisch unterhaltend war mit gleichzeitig ernstem Hintergrund – und ohne App-Verkaufe. 11 von 10 möglichen Punkten.

Neues Wirtschaftssystem – Behavioral Social Economics?

Hier bin ich leider recht spät reingestolpert. Schlaue Köpfe bzw. die sich dafür halten diskutierten über künftige Formen der Einflussnahme. Kurz gesagt: Entscheidend für eine (Kauf-)Entscheidung sind nicht nur Milleu oder Ansprache sondern eine ganze Reihe weiterer Größen, die künftig bei erfolgreichem Marketing einbezogen werden müssen. Das „Neue“ am Wirtschaftssystem hatte also mit Umsturz eher wenig zu tun. Als Lese-Empfehlung wurde dieses Buch hier genannt, ein „anderer“ Versuch, menschliches Verhalten zu erklären (und warum Marketing nicht immer funktioniert).

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Auf jeden Fall interessant genug, um darin zu blättern.

User motivieren – wie bekomme ich User Generated Content

Schöne Session mit Hannes Mehring  (@brandungskieker) über die Aktivierung von Nutzern eigene Inhalte zu erstellen – am Beispiel von Radio. Sein Tacho spiegelt auch meine Erfahrungen wider:

tacho

Je einfacher und enger die Aufgabe gefasst ist, desto mehr machen mit; von Voting, Text über Foto zu eigenen Videos. Mit hohen Incentives kann hier natürlich nachgebessert werden.

Improtheater – Spaß am Spiel

Jetzt mal raus aus dem Stühlen und sich bewegen. Scotty spielte mit uns drei, vier Situationen durch, die mit einer recht eigenwilligen „Herzblatt“-Variation endete:  unter den Kandidaten eine Katze, die ein Hund war und alle Facebook-Liker in einer Person.

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Selbstmotivation vom Intro zum Extro (@FrankS)

Eine recht persönliche Session bot Frank im Anschluss. Wie er aus seinem Schneckenhaus herauskam und es in wenigen Monaten vom ersten Präsentieren in der eigenen Firma zu einem Techie-Vortrag vor Tausenden in San Franzisco schaffte – Respekt!

Kurz vor Ende der Session öffnete sich der Nebenraum, denn das Thema „Offene Beziehungen und andere alternative Beziehungsformen“ von @Fripi war zuende. Interessant, wer da so herauskam….. aber das ist eine gaanz andere Geschichte.

 

Erster Teil:
barcamp Hamburg #7 Part 1/2: „Ich hab da eine App entwickelt…:“