mettigelVerzeiht mir, ich steige jetzt nicht in die große Jubelorgie übers Essen ein so mit La Ola-Welle und so, denn dazu bin ich im Moment einfach zu unbeweglich. Und das, obwohl ich gar nichts vom Schokopudding abbekommen habe. Kommen wir zum Wesentlichen:

The Good

Der Start des Barcamps ist unter Eingeweihten auch als „ewig grüßt das Murmeltier“ bekannt. Nach dem obligatorischen Intro stehen schnell ganz viele Menschen in Reihe, um ihre Sessions vorzustellen. Gefühlt sind 98% der Anbieter deckungsgleich zu denen der Vorjahre. Neu: Diesmal lag der Rekord bei vorgestellten Sessions von ein und derselben Person bei fünf (so ca.). Wenn das so weitergeht, wird in ca. vier Jahren diese Person das gesamte Camp belegen. Aber noch können wir uns ja wehren 🙂

Headhunter-Session

Benjamin „Curry“ Körner von steerer.com zeigt, wie ein Headhunter arbeitet und worauf geachtet wird. „Bunte Vögel“ seien oft attraktiv, müssten allerdings auch oft auf die Gespräche vorbereitet werden. So komme es vor, dass derselbe Kandidat bei der Direktbewerbung zunächst abgelehnt wurde, und dann später doch die Position bekommt. Interessante Einblicke nicht nur für diejenigen, für die die Selbstständigkeit keine Option (mehr) ist.

Porno-Session

Wir wissen ja nun, dass das Web vom US-Militär für Porno erfunden wurde (von wegen „Make love not war“). Folglich ist diese Branche auch immer weit vorn. Also viel gelernt von Praetorius übers Tracking, Filtern, die Jerk-off-Time und die Dramaturgie von Videos (gaaanz wissenschaftlich – e-e-ehrlich – #treuherzigerAugenaufschlag)

 

Hamburgs Brücken

Sabine † hat eine kleine und feine Session über ihr Blog „Hamburgs Brücken“ und wie sie – ganz „learning by doing“ – immer professioneller damit umgeht; von Blogspot zum freien WordPress zum eigenen Hosting, von Open Street Map zu audiome, schließlich zum Beitrag beim NDR. Eine erfrischende Geschichte der Entwicklung eines Projekts aus Leidenschaft – ganz im Gegensatz zu den vielen Cheap-PR-Blogs bei Tech, Mode und Kosmetik. bruecken

Social Schokolade

Das ist natürlich ein Selbstläufer, denn es gab eine Verkostung von RitterSport. Ich kam aber wieder zu spät und bekam nur eine(!) Minitafel(!!) Vollmilch(!!!) – langweilig. Nicht soo langweilig der Vortrag, der darstellte, wie die Agentur in kurzer Zeit auf eine Fake-RitterSport von Circus HalliGalli mit einer neuen Sorte reagierte.

Schade nur, dass wir hier (zunächst) rein auf Photoshop-Ebene bleiben. Die falsche Einschätzung, dass die Pro7-Krawall-Sendung nicht das letzte Wort haben will, zeugt von Naivität. Die TV-Redaktion verlangte nämlich nach einigen Tafeln mit Döner-Geschmack – wie es die Verpackung versprach. Die Androhung, sonst einfach selbst mit der türkischen Spezialität in den RitterSport-Shop zu gehen, um sich die Tafel selbst zusammenzubauen, löste dann doch Panik aus. Warum haben die kein „Schoko-Waffel-Eisen“, um ein paar Tafeln per Hand zu produzieren und den letzten Lacher zu haben?

Am Ende hat dann Ritter Sport Deutschland doch 50 Stück mit der „Umberto“-Verpackung produziert – aber eben nicht mit Döner-Geschmack. Marketing mit Angst vor der eigenen Courage….

Was ist Liebe zur Musik

Wenn Kaorime und crumblegg zur Musik-Session laden, muss ich vorbei schauen. Wie wird heute Musik rezipiert? Welche Vertriebs- bzw. Nutzungskanäle sind heute wichtig und was bedeutet das alles für den Musiker? – waren die Fragen, über die wir uns lebendig ausgetauscht haben. Für den Hörer bzw. „echten Fan“ ist heute die Abgrenzung nicht mehr wichtig; Junge Menschen können heute Punk und Genesis gleichzeitig mögen (echt jetzt!?)
Fazit: Musik ist immer noch wichtig, aber nicht mehr so identitätsstiftend wir früher.

 

Sketchnotes

Endlich auch mal zu einer Sketchnote-Session. Kristine Kiwitt führt klar und hilfreich durch ihr Programm und nach einer Basisübung sollten wir uns an einem Vortrag von Gunter Dueck versuchen. Nun, zeichnen kann ich immer noch nicht, aber die Anregung war klasse und ich werde es weiter versuchen.

Ich mach’s mir selbst (Fan-TV)

Videopodcasting am Beispiel des Vorort-Vereins war – zumindest für vier Männer und mich – ein spannendes Thema. Bei der Session von @elbblick ging es am Beispiel von „RautenTV“ um eine andere Sicht der Dinge als es die „normalen“ Medien vorgeben. Nach den ersten zehn Ausgaben ist erstmal Pause. Ein Problem dabei: Wenn der eigene technische Anspruch zu groß ist, leidet die Regelmäßigkeit. Hier fehlt dann doch die Punk-Attitude (sagt der andere Opa – s.u.) 2raute

Opa erzählt vom Krieg

Wenn Peter von GZSZ-Webauftritten und anderen Projekten des frühen Internet erzählt, wird noch mal in Erinnerung gerufen, wie frei, flexibel, lustig und z.T. amateurhaft das Web in seinen Anfangstagen noch sein konnte. Wer den Kollegen allerdings kennt, könnte auch zu dem Eindruck kommen, das deutschsprachige Netz ist hauptsächlich für ihn angeschaltet worden. Somit wird ihm hiermit inoffiziell der Titel „Digital-Opa“ verliehen. Hier ist sein Blogpost zu diesem Barcamp.

Eigene Session: so bloggtHH

Spontane Entscheidung am Sonnabendmorgen: ich stelle das „So Bloggt Hamburg„-Projekt vor. Zwei, drei müde Hände zeigten Interesse und ein kleiner Raum schien ausreichend. Dann waren wir mit 12 Personen doch gut besetzt und okkupierten lieber die bequemere Ledergarnitur im Durchgang. Im Anschluss an mein Stehgreif-Referat gab es Anregung, Nachfragen auch konstruktive Kritik – und sogar Lob. Vielen Dank allen Teilnehmern.

 

Weinverkostung

Die eigene Session verhinderte wohl das Schlimmste: So konnte ich nur die Hälfte der berühmt-berüchtigten Weinsession von Anke und Steffen mitnehmen. Alle anderen hatten bereits 8 Flaschen Vorsprung, aber ich habe mich bemüht.

The Bad

Gewinnsession „Wollt Ihr nicht auch alle reich und berühmt werden? Dann macht’s so wie ich!“ – scheint uns TomPowr  in bekannter US-Evangelisten-Manier zuzurufen. Ja, da will ich dabei sein:

Seine großen Gewinne – von Weltreise über 4 Autos bis zum Harvard-Stipendium – knallen uns um die Ohren, unterstützt von schlimmstem Eurodance. Während der Video-Einspielungen hüpft der Tom im Halbdunkeln herum wie ein Flummi und springt dann wieder auf die Bühne – und zurück, wenn er einen weiteren Gewinner aus dem Publikum erkennt. Dazu gibt es noch eine „interaktive“ Umfrage und sogar ein Gewinnspiel.

gewinnsession

Tatsächlich waren die Idee und die Planung, die er am Ende der Session zur VW-Aktion zeigte, sogar beeindruckend – mit Meta-/Meta-/Meta-Ebene.

The Ugly

Die Session „Prozesse hacken“ mit @lino und @Bojenkommandant fing zunächst recht spaßig an. Als ersterer erzählte, wie er auf Toffifee-Einkaufstour ging und die Nougat-Nuss-Schokoschalen beinahe als Schattenwährung einführte, hatten alle ein breites Grinsen im Gesicht. Nur: Leider bekam die Veranstaltung schnell einen komischen Dreh. Die Nerds im Publikum überboten sich eifrig bei Tipps und Tricks, wie man mehr rausholt – ganz so wie rücksichtslose Betriebswirte, auf die zu Anfang noch geschimpft wurde (weil jene so rücksichtslos bonusversessen seien).

Merke: Nur weil man’s kann, sollte man es nicht unbedingt tun.

 

Fazit

Mein viertes Barcamp Hamburg war dann doch „same, same but different“: vielleicht, weil das „Klassentreffen“ persönlich engerwahrgenommen wird,  vielleicht, weil der Austausch an Intensität gewinnt, vielleicht, weil man selbst weiter lernen kann. Und auch wenn die eigene Session nicht von langer Hand vorbereitet war, hat sie doch sehr viel Spaß gemacht und mir Feedback von außen gegeben, das mir sehr hilft. Also: aktiv mitmachen lohnt sich.
Und: Danke Vivian und Crew!

 

So war’s im letzten Jahr:
Ich habe da mal ’ne App entwickelt (barcamp Hamburg 2013 1/2)
Von falsch verstandenen Themen und Wege zum Suizid (barcamp Hamburg 2013 2/2)